Schloß Trebnitz erwacht zum Leben

 

 

schloss bild

 

von Sascha Scheiko und Jasmin Schneider

Ruhig und abgelegen liegt Schloß Trebnitz im Park des kleinen gleichnamigen Dorfes. Ab und zu quietscht eine Diele oder eine Tür knarrt, wenn der Wind durch das Gebäude pfeift. Doch plötzlich kehrt Leben in das Schloss und Stimmen sind zu hören. Wenn etwa 31 Schüler aus Weißrussland und Deutschland die Räume und Säle des jahrhundertealten Gebäudes stürmen. Dann ist es vorbei mit dem Frieden: jugendliche Stimmen auf Russisch und Deutsch hallen durch jeden Winkel des Hauses.

In der ersten Juliwoche 2009 trafen sich zum 13. Mal Schüler aus Brandenburg und Brest. Das Thema der Begegnung lag daher auf der Hand: „13 - eine deutsch-weißrussische Glückszahl“. Die Pädagogin Petra Wilpert hat seit der ersten Begegnung 1996 viele brandenburgische Schüler für das Projekt begeistern können. Sie erinnert sich, das beim ersten Treffen nur zwei Arbeitsgruppen – Theater und Kunst – angeboten wurden. Bei der 13. Begegnung dagegen hatten die Teilnehmer die Wahl zwischen fünf Workshops.

Die Videogruppe erstellte während der Woche einen Film mit vielen Interviews. Um diese möglichst interessant zu gestalten, wählten sie für jede Einstellung einen anderen Drehort. So diente mal der Speisesaal als Befragungsraum oder das Bett ohne Matratze als Podest. Die Fotogruppe dagegen stellte den fremden Blick der Weißrussen auf Deutschland dar. Die Journalistikgruppe verfasste verschiedene Texte, eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit Stereotypen. Bei einem Spiel mussten etwa Menschenrechte pantomimisch dargestellt werden. Mit der schuldbewussten Mine und der geknickten Haltung versuchte Carolin aus Dolgelin die Glaubens-und Gewissensfreiheit zu visualisieren. Noch eine Gruppe erstellte eine Internetseite. Auf dieser sind nun alle Ergebnisse der Gruppen ausgestellt und überall auf der Welt abrufbar.

Die Workshops waren alle binational gemischt. Langeweile kam selten auf – die Deutschen integrierten die Weißrussen, indem sie ihnen etwa ein typisches Dorffest zeigten. „Es wurde viel getanzt. Ich finde es toll, weil ich auf so einem Fest zum ersten Mal war“, zeigte sich die Weißrussin Katja begeistert. An einem anderen Abend veranstalteten die Jugendlichen eine Disko. Auf dem Dachboden des Schlosses verhängten sie die Fenster, besorgten sich einen Verstärker, stellten eine Musikliste zusammen und mixten Getränke.

Aber nicht nur das Schloss war Schauplatz der Begegnung. Mehrmals wurde „der alte Kasten“ verlassen: In Berlin bummelten die Schüler durch die Hauptstadt, sahen sich verschiedene Sehenswürdigkeiten an und besuchten den Reichstag. Der Weißrussin Anja hat die Stadt gefallen, ein Wermutstropfen war, „dass alles sehr teuer für uns ist“.
An einem anderen Tag fuhr man nach Seelow. Dort wurde die Gedenkstätte Seelower Höhen und das Gymnasium, an dem fast alle der deutschen Teilnehmer unterrichtet werden, besichtigt werden „Das ist so viel moderner als bei uns“, ist der Weißrussin Nastja beim Anblick der Schule durch den Kopf gegangen.  

Modern ist zwar das Quietschen und Knarren der Diele und Tür auf dem Schloß Trebnitz nicht – aber das ist dem „alten Kasten“ egal. Denn wenn die fast drei Dutzend Schüler wieder abreisen, kehrt wieder Ruhe auf ein. Zumindest bis zur kommenden Begegnung.